フュルト市立画廊ミクシュ館長 解説 ドイツ語.

Atsuko und Kunihiko Kato

Laudatio 15.9.2009/ Japanisches Generalkonsulat München/ © Hans-Peter Miksch, Fürth

Mehr als 33 Jahre leben Atsuko und Kunihiko Kato in Mittelfranken, anfänglich hatten sie ihren Wohnsitz in Nürnberg, seit inzwischen 26 Jahren ist Fürth ihr Lebensmittelpunkt. Ihre Existenz fern von Japan, der alten Heimat, dauert nun schon länger als das Leben vor dem Weggang. Das hätten sie sich nicht träumen lassen! Denn ursprünglich hatte das Ehepaar geplant, etwa drei Jahre in Deutschland zu bleiben. Sie hätten es sich nicht träumen lassen - - - und doch haben sie es, besser: hat sie es geträumt! Denn auf eine ganz spezielle Weise ist ihr Leben ein Traumleben. Nicht, dass das Künstlerpaar keine Sorgen kennen oder nicht mit beiden Beinen fest im Leben stehen würde, aber Atsuko Kato, die die deutsche Sprache bereits in Japan gelernt hatte, und deren Kunstprofessor von Albrecht Dürer schwärmte, hatte bereits vor der Ankunft geträumt (!) von der nie vorher mit eigenen Augen gesehenen Landschaft, in der sie und ihr Mann dereinst leben sollten. Und Atsuko Kato hatte offenbar so naturalistisch geträumt, hatte derart unvergleichlich entlang geträumt an den Aquarellen Albrecht Dürers vom sogenannten Knoblauchsland und den Gärten außerhalb der Mauern von Nürnberg, dass ihr das reale Nürnberg und dessen Umgebung gar nicht wirklich fremd vorkam, als sie und ihr Mann nach der Zugfahrt von Paris nach Nürnberg hier anlangte. Ein echtes Déjà vu-Erlebnis. Und eines mit Langzeitwirkung dazu! Kunihiko Kato hat im übrigen dem Traum seiner Frau vertraut, er teilt sozusagen den Traum - mit offenen Augen. Keine geringe Leistung.

Man sagt, dass hinter allem, was einem besonders überraschend und neu vorkommt, etwas Bekanntes steckt, dass im Unerhörten ein Wiedererkennen wohnt. Im Fall des Künstler-Ehepaares muss es so gewesen sein.

Inzwischen sind sie integriert, sind Wahlfranken geworden. Wobei ihnen ihre künstlerische Profession mit Sicherheit den Einstieg erleichterte. Denn über Weniges sprechen Menschen mit anderen Menschen lieber als über Schönheit. Und Kunst ist eine universelle Sprache, anders ausgedrückt eine Form unwahrscheinlicher Kommunikation. Damit ist gemeint, dass über die Kunst Menschen miteinander in Beziehung geraten, für die eine Begegnung außerhalb jeglicher Wahrscheinlichkeit liegt.

Ein Wesenszug japanischer Kunst war stets, Ordnung und Schönheit in der Verworrenheit der natürlichen Erscheinungen zu entdecken. Atsuko und Kunihiko Kato haben soviel Ordnung und Schönheit in der scheinbaren Verworrenheit der regionalen Erscheinungen und Eigenheiten entdeckt, haben soviel Liebe zu der Stadt, in der sie leben, und zur Umgebung und zum sozialen Umfeld mit- und aufgebracht, dass mancher gebürtige Fürther ins Staunen geraten ist.

Zu Recht haben sie bereits im Jahr 1993 den Kulturpreis der Stadt Fürth erhalten, auch wenn sie ihn sich teilen mussten. Es sind eben „die Katos“, die wir schätzen und lieben. Wobei sie sich in ihrer Kunst klar unterscheiden, jeder das Seine tut auf seine eigene Weise:

Atsuko Kato spiegelt in ihrem lyrisch-realistischen Stil mit Ölfarbe und Lasurtechnik gerne ihre Eindrücke der deutschen Wahlheimat. Dazu gehört nicht nur, wie eingangs erwähnt, die Landschaft rund um die fränkische Metropole Nürnberg, die in leider stetig kleiner werdenden Teilen tatsächlich beinahe noch so aussieht, wie sie bereits Dürer sah. Dazu gehört auch der variantenreich dargestellte Reflex auf das berühmte Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe: „Gingko biloba“. Die alte, kulturüberschreitende Symbolik (heute sagen wir dazu moderner ‚interkulturelle‘ Symbolik) des Gingko-Baumes pflegt die Malerin auf ihre Weise. Das Gingkoblatt ist quasi die Signatur der Künstlerin geworden, ich kann mich an kein Bild erinnern, in dem es nicht als Spur der Hoffnung auftaucht. Mit den Verweisen auf Dürer oder Goethe zeigt uns Atsuko Kato ihre Wertschätzung der deutschen Kultur, sie erinnert uns an das, was wir an geistigen Gütern besitzen.

Der Impuls ihrer Arbeit, ob künstlerisch, ob friedensbewegt oder ob lediglich als Pflegerin und Hegerin seltener Gingko-Samen, ist stets ausgleichend: Glaubhafter als sie es tut, kann ich mir niemanden vorstellen bei dem Versuch, Natur und Kultur zu versöhnen. Dass das eine Sisyphus-Arbeit ist, muss nicht extra erwähnt werden. Aber es lässt uns denken an die Sichtweise des französischen Schriftstellers, des Nobelpreisträgers Albert Camus, der die tröstlichen Worte sagte:     

„Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen.“1

Einer beinahe aussterbenden Art gehört Kunihiko Kato an. Erschrecken Sie nicht! Aber Tatsache ist, dass es immer weniger Steinbildhauer wie ihn gibt. Denn das Ausstellen ist schwer geworden, man hat oft große logistische Probleme, die nach teueren Lösungen verlangen.

Seine Motive entnimmt der Bewunderer des deutschen Philosophen, Forschers, Zeichners und Pazifisten Ernst Haeckel gerne der Meeresfauna und –flora. So verwundert es wenig, dass das Lieblingsbuch von Kunihiko Kato das Werk „Das System der Medusen“ von Ernst Haeckel ist. Von der Anschauung her ist Ihnen allen vielleicht eher bekannt Haeckels zeichnerisches Oeuvre „Kunstformen der Natur“, das den Jugendstil entscheidend mitgeprägt hat, ein Buch, das bis heute weltweit überaus populär geblieben ist.

Die steinernen „Lebewesen“ Kunihiko Katos sprechen von der Ahnung eines großen Zusammenhangs allen Lebendigen. Mikro- und Makrokosmos gehen eine Verbindung ein in den technisch bestechenden Skulpturen des traditionell arbeitenden Bildhauers. Er gestaltet Mischformen aus Pflanze, Tier und Mensch. Es sind Bekenntnisse zu den unübertrefflichen Kunstformen, die die Natur hervorbringt.

Kunihiko Kato liebt den Stein, das sieht man auch daran, wie er ihn versteht. Je härter der Stein, desto lieber scheint er ihm zu sein. Insofern war seine Antwort in einem Zeitungsinterview, welches Liebeslied ihm das liebste sei, sehr schalkhaft und augenzwinkernd, als er den deutschen 1960er-Jahre Schlagerhit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ nannte. Ihm gelingt das, scheinbar mühelos - aber nie mutwillig!

Was beide in ihrer Unterschiedlichkeit eint, ist die Tatsache, dass Kunst nicht lügt: Die Ölbilder Atsuko Katos ebenso wie die Stein- oder Holzskulpturen Kunihiko Katos sind weder japanisch, noch deutsch, weder fernöstlich, noch europäisch. Sie sind eigen. Jemand, der in zwei Kulturen lebt, muss sich wohl letztendlich eine/ seine dritte Kultur schaffen, um mit der eigenen tiefen Sehnsucht klar zu kommen. Die Kunstwerke zeugen von der lebendigen Kulturbrücke, zu der ihre Schöpfer geworden sind. Beide sind äußerst würdige
Träger der heute verliehenen Auszeichnung ihres Herkunftslandes Japan
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Ich bedanke mich bei Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld!